Mantras chanten – ein manchmal heikles Thema im Yoga

Als ich mit Yoga begann war mir das „chanten“, also singen und wiederholen von Mantras oft unangenehm und ich fand es sehr seltsam, denn ich wusste nicht genau was es damit auf sich hat.

Neugierig genug, recherchierte ich und fand heraus, das Mantras spirituelle Lieder (Loblieder) sind, welche hauptsächlich im Wechselgesang gesungen werden. Jedes andere spirituelle oder religiöse Lied kann ebenfalls als Mantra oder Kirtan bezeichnet werden.

Im Yoga wird meistens auf Sanskrit (Devanagari, Sprache der Götter) gesungen und aufgrund verschiedener Vorteile bevorzugt. Auf einige möchte ich kurz eingehen:

Da Mantras (Kirtan) wie eben schon erwähnt, ursprünglich auf Sanskrit gesungen wurden, möchte man die Aussage des Mantras durch Übersetzungen nicht verfälschen.

Ebenfalls spielt der Klang und somit die Schwingungen (welche wiederum Energie ist) der Worte eine wichtige Rolle. Die Klangwelle des Wortes OM sieht anders aus als die des Wortes HALLO. Jedes Mantra hat seine eigene Engerie und dadurch entsteht eine entsprechende Schwingung im Geist.

 

Ein weiterer Punkt ist, dass wir durch Worte, die wir nicht „verstehen“ auch nicht assoziieren und dadurch in Gedanken abschweifen können. Sicher haben wir ggf. eine Idee worum es in dem Mantra geht, doch lenkt uns der Inhalt des Mantras nicht ab sondern lässt den Geist, durch das ständige wiederholen dieses, einpünktig werden.

Mantra singen erhebt das Gemüt und unsere Stimmung. Spannungen und Emotionen können sich lösen oder man gerät sogar in eine Art Trance oder Meditation. (Es gibt auch die Mantra Meditation, bei der ein Mantra im Geiste wiederholt wird. Diese Art der Meditation nennt man Japa).

Da ich eigentlich nicht wirklich gerne singe und meine Singstimme auch nicht als entzückend einstufen würde, habe ich mich trotzdem überwunden und meine Yogastunden mit einem Mantra begonnen und beschlossen. Warum? Weil für mich Mantra singen einen ausschlaggebenden Unterschied zu allen anderen Liedern macht. Mantra singen ist eine Art das Bewusstsein zu erweitern und ist für mich Bestandteil des ganzheitlichen Yogas. Bei den ersten Yogastunden in denen ich Mantras gesungen habe, war meine Stimme oft ganz zitterig und ich war sehr nervös, da ich nicht wusste wie meine Yogaschüler darauf reagieren würden. Aber ich habe mich geöffnet, den Mut gefasst, den Mund aufgemacht und gesungen. Ich stellte fest, dass die Mantras eine sehr besondere Energie beinhalten, die mich bestärkt und beschützt.

Im Laufe der jahrelangen Yogapraxis habe ich mir irgendwann sogar ein Harmonium zugelegt und habe ein paar Harmonium Seminare besucht um dieses spielen zu lernen. Ich kann auch hier nicht behaupten großartig begabt darin zu sein, doch habe ich zu Hause oft Harmonium gespielt und dazu gesungen. Das hat mich in einer besonderen Tiefphase meines Lebens begleitet und ich möchte rückblickend sagen, dass mir das sehr geholfen hat, durch diese schweren Zeiten in meinem Leben zu gehen. Das singen hat mich mit positiven Gedankenmustern gefüllt und sehr beruhigend gewirkt.

Seit dem ersten Kontakt mit Mantras und heute hat sich meine Einstellung dazu komplett verändert und ich hätte auch nie gedacht, das Mantra singen mich in meiner tiefsten Lebensphase begleiten würde und Halt gibt. Ebenfalls habe ich mich mit meinen Yogaschülern manchmal nur zum Kirtan singen betroffen, denn diese haben meine Zuneigung und die Vorteile des chanten erkannt und ihre eigenen positiven Erfahrungen damit gemacht.

Mantra singen öffnet mein Herz, ganz automatisch, ohne überhaupt zu wissen worum es in dem Mantra geht, es lässt Gefühle zu die ekstatisch oder auch unendlich traurig sein können. Was auch immer dadurch nach oben kommt, ist gut. Es möchte angesehen und losgelassen werden. Mantra singen kann Dir im täglichen Leben helfen und dein Bewusstsein erweitern.

Om Shanti!